Wie sie nach Karpacz kam
Die Wang-Kirche wurde um das Jahr 1200 im norwegischen Ort Vang am See Vangsmjøsa erbaut, etwa 200 km von Oslo entfernt. 600 Jahre lang diente sie als Pfarrkirche. Im 19. Jahrhundert beschlossen die Norweger, eine neue, größere Kirche zu bauen, und wollten die alte verkaufen. Nach jahrelanger Suche nach einem Käufer erwarb 1841 der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Kirche mit dem Gedanken, sie nach Berlin zu versetzen.
Die Pläne änderten sich jedoch. Gräfin Friederike von Reden, die in Bukowiec bei Karpacz lebte, überzeugte den König, die Kirche in einem Riesengebirgsdorf aufzustellen, dessen protestantische Bewohner eine Kirche brauchten. Die Kirche wurde in Einzelteile zerlegt, auf dem Land- und Seeweg transportiert und 1842 in Karpacz Górny wieder aufgebaut. Ein steinerner Glockenturm wurde hinzugefügt — aus zwei Gründen: damit die Kirche als Pfarrkirche dienen konnte und damit sie vom Fuß der Schneekoppe besser sichtbar war.
Architektur — ohne Nägel, aus Kiefernholz
Die Wang-Kirche gehört zum Typ der Stabkirchen (norw. stavkirke) — einer für das mittelalterliche Skandinavien charakteristischen Holzarchitektur. Die gesamte Konstruktion ruht auf senkrechten Pfosten (Staben), die das Skelett des Gebäudes bilden. Die Balken sind mit Zapfen und Nuten verbunden — ohne einen einzigen Metallnagel. Das Dach ist mehrfach gegliedert, mit Holzschindeln gedeckt, mit den markanten Drachenköpfen an den Giebeln (ein Wikingermotiv).
Das verbaute Holz ist norwegische Kiefer, mit Holzteer konserviert — daher hat die Kirche ihre dunkelbraune Farbe. Der Teer enthält Substanzen, die das Holz vor Pilz und Insekten schützen — und deshalb hat die Kirche bereits 800 Jahre in rauem Klima überdauert. Die Kirche wird alle paar Jahre erneut geteert — die letzte Konservierung erfolgte um 2015.
Was im Inneren zu sehen ist
- Originale Schnitzereien aus dem 12. Jahrhundert in Holz — Pfostenkapitelle mit zoomorphen und floralen Motiven
- Zwei Kreuze — eines vom Altar aus dem 15. Jahrhundert (aus Norwegen), das andere aus dem 17. Jahrhundert
- Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert — beim Wiederaufbau in Karpacz hinzugefügt
- Holzorgel — bei regelmäßigen Gottesdiensten in Gebrauch (die Kirche ist eine aktive evangelische Kirche)
Wissenswertes vor dem Besuch
Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche der Evangelisch-Augsburgischen Kirche, dient jedoch den größten Teil des Tages als Museum für Besucher. Der Eintritt ist kostenpflichtig (~15 zł, Kinder günstiger, Führung gegen Aufpreis). Die Besichtigung dauert ~30–45 Minuten.
Sonntags finden um 10:00 Uhr Gottesdienste statt — man kann teilnehmen (Eintritt für Gläubige kostenlos) oder an einem anderen Tag kommen, wenn man nur besichtigen möchte. Bei der Kirche liegt ein alter Friedhof mit versetzten norwegischen Gräbern (ein Teil der Grabsteine stammt aus Norwegen), ein hölzernes Tor und ein kleiner Souvenirladen.
Anreise und praktische Infos
- Adresse
- ul. Na Śnieżkę 8, Karpacz Górny
- Ticket
- ~15 zł Erwachsene, ~10 zł Kinder, Führung Aufpreis
- Öffnungszeiten
- Täglich 9:00–17:00 Uhr (Saison), 10:00–16:00 Uhr (Winter)
- Gottesdienste
- Sonntags 10:00 Uhr (Evangelisch-Augsburgische Kirche)
- Parkplatz
- Kostenpflichtig am Objekt (~10 zł / Tag)
- Besichtigungsdauer
- 30–45 Minuten
Wann am besten
Angenehme Zeit — Kirche geöffnet, keine Menschenmengen. Ausgangspunkt vieler Routen zur Schneekoppe.
Menschenmengen im Juli und August. Am besten morgens vor 10:00 Uhr oder am späten Nachmittag besuchen.
Hervorragende Fotokulisse — Laubfarben, das nebelverhangene Karpacz im Tal. Sanfterer Andrang.
Magische Atmosphäre, Schnee auf den Holzschindeln. Geöffnet, aber kürzere Zeiten.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Karpacz
Entfernungen in Luftlinie ab „Wang-Kirche" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
Unterkünfte aus unserer Liste, von denen Wang-Kirche fußläufig oder mit kurzer Anfahrt erreichbar ist.